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Bestimmt kennst du die Metho­de des Schreib­ge­sprächs. Meh­re­re Ler­nen­de schrei­ben gleich­zei­tig, reagie­ren auf­ein­an­der und geben sich Feed­back. Die­ses Arbeits­ver­fah­ren ist auch digi­tal orts­un­ab­hän­gig und zeit­ver­setzt mög­lich: Ein Ether­pad ist ein ein­fa­ches web­ba­sier­tes Tool zum gemein­sa­men Bear­bei­ten von Text in Echt­zeit in einem Online-Doku­ment. Ler­nen­de kön­nen ihre Tex­te gemein­sam schrei­ben, gegen­sei­tig kor­ri­gie­ren und kom­men­tie­ren. Hier­aus erge­ben sich im Unter­richt zahl­rei­che Mög­lich­kei­ten zur Dif­fe­ren­zie­rung. Eini­ge davon stel­le ich dir in die­sem Bei­trag vor.

Ether­pads sind Online-Doku­men­te, an denen gemein­sam simul­tan, aber auch zeit­ver­setzt gear­bei­tet wer­den kann. Ins­ge­samt stel­len sie eine tech­nisch redu­zier­te Form einer Text­ver­ar­bei­tung dar. Als brow­ser­ba­sier­te Web-App lässt sich ein Ether­pad von fast jedem inter­net­fä­hi­gem Gerät aus öff­nen. Die Spei­che­rung der Tex­te fin­det stän­dig statt. So kön­nen alte Ver­sio­nen wie­der auf­ge­ru­fen wer­den oder Löschun­gen rück­gän­gig gemacht wer­den.

Wie fange ich an?

Ein neu­es Ether­pad kannst du hier erstel­len.

  • Wird NEU­ES PAD gewählt, wird eine zufäl­li­ge Inter­net­adres­se (URL) erstellt. Das sieht dann z. B. so aus. Vor­teil: Die URL des Pads ist »ver­schlüs­selt« und kann nur schwer erra­ten wer­den.
  • Wird PAD MIT FOL­GEN­DEM NAMEN ERSTELLEN/ÖFFNEN aus­ge­wählt, ent­hält die URL spä­ter die­sen Namen. Das sieht dann z. B. so ausVor­teil: Die Adres­se des Pads ist gut merk­bar nach­voll­zieh­bar.

Der Zugang zum Ether­pad erfolgt über die ent­spre­chen­de Inter­net­adres­se, die an die Ler­nen­den wei­ter­ver­teilt wird. Dies funk­tio­niert natür­lich auch über einen QR-Code. Das bedeu­tet jedoch auch, dass jeder Inter­net­nut­zer, der im Besitz der Adres­se ist, auf das Ether­pad zugrei­fen und die­ses ggf. ver­än­dern kann. Auf die­se Wei­se kön­nen aber auch Lehr­kräf­te oder »Exper­ten« hin­zu­ge­zo­gen wer­den, um sie um Unter­stüt­zung bei der Text­be­ar­bei­tung zu bit­ten. Tipp: Über unser Ether­pad ist es mög­lich, eine URL für einen NUR-LESE-ZUGRIFF zu gene­rie­ren. So kön­nen Tex­te geteilt wer­den, ohne dass die Gefahr besteht, dass sie ver­än­dert wer­den.

Los geht’s!

Haben Ler­nen­de das Ether­pad geöff­net, kön­nen sie es wie ein wei­ßes Blatt Papier beschrei­ben, z. B. um gemein­sam krea­tiv Tex­te zu gestal­ten. Zunächst unstruk­tu­rier­te und nicht for­ma­li­sier­te Bei­trä­ge kön­nen anschlie­ßend in ihrer Rei­hen­fol­ge arran­giert und zu einem Gesamt­text geformt wer­den.
Oft ist es jedoch auch prak­tisch, als Lehr­kraft ein Ether­pad für die Ler­nen­den vor­zu­be­rei­ten. So kön­nen z. B. Satz­an­fän­ge oder Feh­ler­tex­te bereit­ge­stellt wer­den. Hat man ein Ether­pad vor­be­rei­tet, kann die­ses schnell per Copy & Pas­te ver­viel­fäl­tigt wer­den.
Wäh­rend des Schrei­bens wird jedem Nut­zer eine indi­vi­du­el­le Far­be zuge­teilt, die sei­nen Text unter­streicht. So ist immer nach­voll­zieh­bar, wer wel­che Pas­sa­gen oder Ände­run­gen bei­getra­gen hat.
Für Dis­kus­sio­nen und Text­pla­nung steht ein Chat zur Ver­fü­gung. Auch Kom­men­ta­re kön­nen gesetzt wer­den, um z. B. Rück­fra­gen zu stel­len oder Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge zu machen.

Ideen für den Unterrichtseinsatz

Neben frei­en Schreib­auf­ga­ben eige­nen sich Ether­pads her­vor­ra­gend zur kol­la­bo­ra­ti­ven Arbeit an Tex­ten und Spra­che im All­ge­mei­nen.

  • Brain­stor­ming: Die Ler­nen­den erstel­len aus­ge­hend von einem Ober­be­griff (z. B. »Medi­en«) eine gemein­sa­me asso­zia­ti­ve ABC-Lis­te.
  • Begriffs­de­fi­ni­tio­nen und Glos­sa­re erar­bei­ten: Die­se kön­nen bereits zu Beginn einer Ein­heit ange­legt und dann fort­ge­führt wer­den oder als Wie­der­ho­lung am Ende einer Unter­richts­ein­heit erstellt wer­den.
  • Voka­bel­lis­ten, Wort­fel­der und Syn­ony­me: Für den Auf- und Aus­bau eines vari­an­ten­rei­chen Wort­schat­zes kön­nen Ler­nen­de gemein­sam zu Begrif­fen oder Wort­fel­dern ver­schie­de­ne Über­set­zungs­mög­lich­kei­ten oder Syn­ony­me sam­meln.
  • Tex­te über­set­zen: Die Ler­nen­den über­set­zen gemein­sam einen fremd­sprach­li­chen Text. Tipp für den Deutsch­un­ter­richt: Lass dei­ne Ler­nen­den die eng­li­sche Über­set­zung eines deut­schen Ori­gi­nal­ge­dich­tes »zurück­über­set­zen«!
  • Feh­ler­tex­te ver­bes­sern: Den Ler­nen­den wird ein Text zur Ver­fü­gung gestellt, der inhalt­li­che, ortho­gra­fi­sche oder syn­tak­ti­sche Feh­ler ent­hält, wel­che von die­sen kol­la­bo­ra­tiv ver­bes­sert wer­den.
  • Sät­ze ver­voll­stän­di­gen: Mit Satz­an­fän­gen als dif­fe­ren­zie­ren­de Hil­fe kann die Struk­tur eines for­ma­li­sier­ten Tex­tes vor­be­rei­tet wer­den.
  • Auf­satz­for­men trai­nie­ren: For­ma­li­sier­te Schreib­for­men, z. B. Ana­ly­sen oder Erör­te­run­gen im Deutsch­un­ter­richt, kön­nen arbeits­tei­lig ver­fasst wer­den, indem Struk­tur­schrit­te auf­ge­teilt wer­den.

Was muss ich beachten?

  • Ler­nen­de sind beson­ders das simul­ta­ne Arbei­ten in digi­ta­len Doku­men­ten nicht gewohnt. Gib ihnen ein wenig Zeit, sich im Doku­ment zurecht­zu­fin­den und sich zu ori­en­tie­ren.
  • Lass mög­lichst kei­ne Groß­grup­pen in einem Doku­ment arbei­ten. Beim Schrei­ben kommt man sich zu oft »in die Que­re«. Drei bis fünf Ler­nen­de pro Ether­pad sind ide­al.
  • Wenn du meh­re­re Pads für Grup­pen­ar­bei­ten in einer Lern­grup­pen ver­tei­len möch­test, benen­ne oder num­me­rie­re dei­ne Ether­pads nach­voll­zieh­bar über die Funk­ti­on »Pad mit fol­gen­dem Namen erstellen/öffnen«.
  • Für meh­re­re Grup­pen erstellst und for­ma­tierst du zunächst ein Pad. Mar­kie­re anschlie­ßend den Text und kopie­re ihn – z. B. über einen Rechtsklick mit der Maus. Du kannst ihn nun wie­der in ein neu­es lee­res Ether­pad ein­fü­gen. Über das »Augen-Sym­bol« kannst du dei­ne Autoren­far­be wie­der löschen.
  • Selbst­ver­ständ­lich sind auch Ein­zel­ar­bei­ten in einem Ether­pad mög­lich. Lass dich als Lehr­kraft per Link in das Ether­pad ein­la­den, um den indi­vi­du­el­len Schreib­pro­zess von Ler­nen­den zu beglei­ten.
  • Ether­pads las­sen sich auch auf Smart­pho­nes öff­nen und bear­bei­ten. Am bes­ten lässt du dei­ne Ler­nen­den selbst aus­pro­bie­ren, ob sie trotz der oft klei­nen Dis­play­grö­ße im Ether­pad arbei­ten kön­nen.
  • Schützt eure Daten! Ether­pads sind nicht geschützt. Wer in den Besitz der URL kommt, kann auf das Pad zugrei­fen. Wei­se dei­ne Ler­nen­den dar­auf hin, dass sie kei­ne per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten im Pad hin­ter­las­sen, damit die­se nicht in die Hän­de Unbe­fug­ter gera­ten.

Und dann?

Fer­ti­ge Tex­te kön­nen u.a. als PDF oder als Text­da­tei (.txt) expor­tiert wer­den. Beach­te, dass Ether­pads auf kits.blog gelöscht wer­den, wenn sie drei Wochen lang nicht bear­bei­tet wer­den! Denkt also dar­an, eure Ergeb­nis­se nach Been­di­gung des Schreib­pro­zess zu expor­tie­ren!

Timo Ihrke

Timo ist Lehrer für Deutsch und Geschichte an einem Gym­nasium in Hameln. Als »Medien­pädago­gischer Berater« unter­stützt er Schulen, Studien­seminare und Kinder­tages­stätten in Nieder­sachsen beim Einsatz digi­taler Medien. Timo trifft man eigent­lich immer und über­all, denn er ist pro­fessionell in unter­schiedlich­sten Fort­bildungs­kontex­ten aktiv. Ob Fort­bildung oder Bera­tung: Timo behält stets alle Betei­ligten im Blick, denn er weiß, dass aller Anfang manch­mal schwer ist. Aus diesem Grund begeis­tern ihn besonders praxis­taugliche digi­tale Tools für den täg­lichen Einsatz.

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