Die Kinder der »Eulenklasse« haben sich in Zweier-Grüppchen im Klassenraum verteilt; einige liegen auf Teppichen am Boden, hocken am kleinen Tisch in der Mitte des Sitzkreises, andere sitzen zu zweit am Tisch. Was sie alle gemeinsam haben: Vor ihnen liegt die gemeinsame Klassenlektüre und ein Tablet.
Die Klasse 3b gehört an dieser Grundschule zu den wenigen Klassen, die eine 1:1‑Ausstattung mit digitalen Endgeräten dauerhaft in ihrem Klassenraum zur Verfügung stehen hat. Ein Griff in den Schrank und die Arbeit mit den digitalen Geräten kann losgehen!

Möglich wurde dies durch die Teilnahme am »kits«-Projekt der Medienberatung Niedersachsen. Die Klassen- und gleichzeitig auch Deutschlehrerin der 3. Klasse hatte sich bei »kits« mit einer Projektidee beworben.
Ihre Idee überzeugte und das »kits«-Team stellte zur Umsetzung ein Jahr lang einen Klassensatz Tablets zur Verfügung. Noch in der 2. Klasse lernten die Kinder der jetzigen 3b den grundlegenden Umgang mit den Geräten. Schnell waren die Schülerinnen und Schüler in der Lage, erste digitale Werkzeuge eigenständig sinnvoll einzusetzen, um z. B. Ergebnisse zu präsentieren, ihre Meinung zu teilen und kollaborativ zu arbeiten. Immer mit viel Begeisterung und Motivation – vornehmlich in den Fächern Deutsch und Sachunterricht.
Während der letzten gemeinsamen Klassenlektüre Fach Deutsch nutzte die Lerngruppe intensiv mindwendel, um erste Leseeindrücke festzuhalten, Fragen an den Text zu formulieren und Stellung zum Verhalten der literarischen Figuren zu beziehen. In der Lektüre stand zum Beispiel eine Gruppe Kinder vor der »Dilemma-Situation«, dass sie eine größere Summe Bargeld gefunden hatten. Zunächst hatten die Kinder keinen Hinweis auf einen möglichen Besitzer des Geldes. Untereinander sind sie sich uneinig: »Dürfen sie das Geld ausgeben? Müssen sie es zurückgeben? — Aber wem?«
Die Kinder der Klasse 3b nutzten bei der Auseinandersetzung mit diesem kniffligen Thema mindwendel, um Argumente für beide Möglichkeiten zu sammeln und sich diese gegenseitig mitzuteilen.
Die Nutzung von mindwendel ermöglichte, dass die Lernenden ihre persönlichen Gedanken zunächst anonym zu den Dilemma-Situationen äußern konnten. So mussten sie keine moralische Verurteilung fürchten. Dennoch konnten sie ihre eigenen Gedanken dazu mit ihrer Lerngruppe teilen. So entstand eine umfangreiche Sammlung von Gründen, für oder gegen das Ausgeben des gefundenen Geldes.
Im nächsten Schritt bei der Auseinandersetzung mit dieser Dilemma-Situation konnte die Lerngruppe ihre selbst erstellte Auflistung als Grundlage für das Verfassen einer E‑Mail an eine der Hauptfiguren des Buches nutzen. Die für alle über einen QR-Code leicht zugängliche Sammlung stellte besonders für Kinder mit sprachlichem Förderbedarf eine große Unterstützung dar! So kamen alle Kinder zum angestrebten Arbeitsergebnis und es entstanden gelungene Nachrichten an die Figur aus dem Buch. In diesen Nachrichten formulierten die Lernenden einen begründeten Rat, wie mit mit dem gefunden Geld zu verfahren sei.
mindwendel wurde im Rahmen dieser gemeinsamen Klassenlektüre aber auch genutzt, um Fragen und Erwartungen an den gelesenen Text zu formulieren. Diese haben die Kinder mit Nennung ihrer Vornamen auf der digitalen Tafel der Klasse veröffentlicht, so dass sie im anschließenden Unterrichtsgespräch direkt aufeinander Bezug nehmen konnten. Dadurch haben junge Lesende mehr Interesse an der Teilnahme an Diskussionen über das Gelesene gezeigt, und die Qualität ihrer Beiträge hat sich verbessert.
Abschließend stellt die durchführende Lehrkraft fest, dass die Lernenden durch die Nutzung von mindwendel bei der Bearbeitung der gemeinsamen Klassenlektüre…
- in ihrer Fähigkeit zur Zusammenarbeit gefördert wurden, indem gegenseitiger Austausch und zielgerichtete Rückmeldung schnell und unkompliziert auf digitalem Weg möglich war.
- dazu motiviert wurden, sich zum literarischen Text in Beziehung zu setzen, indem sie ihre Gedanken und Gefühle parallel zum eigenen Lesen strukturierten und sie sprachlich formulierten und sie dann mit anderen teilen zu konnten.
- ermutigt wurden, persönliche Erfahrungen und Emotionen mit den Inhalten des Textes zu verknüpfen und damit zu einem vertiefenden Lesen geführt wurden.
- sich in ihrer Medienkompetenz weiterentwickeln konnten, indem sie ausgewählte digitale Tools eigenständig anwenden können.
Natürlich konnten die Lernenden ihre Lesekompetenz dabei auch weiter steigern! Sie zeigten viel Freude daran, sich einen literarischen Text mit Hilfe digitaler Tools zu erschließen und arbeiteten während der gesamten Unterrichtseinheit motiviert und engagiert. So wünscht man sich das als begleitende Lehrkraft!